Green Building bedeutet nicht nur, dass Klima und Ressourcen geschont werden. Auch die Nutzer fühlen sich in ‚grünen Gebäuden‘ wohler. In Australien ist Bilfinger Berger ein wichtiger Anbieter, wenn es darum geht, energieeffiziente Immobilien zu schaffen.
(Text: Julica Jungehülsing, Fotos: Michael Amendolia)
Es ist ein Frühsommertag in Adelaide, kurz nach der Mittagspause, eigentlich der klassische Moment für den toten Punkt in einem langen Bürotag. Doch die Menschen im elften Stock der City Central Towers wirken munter. Die Luft ist unverbraucht und frisch. Nichts ist zu hören als leise Stimmen und das Klackern von Tastaturen, denn das Rauschen einer Klimaanlage fehlt. Trotzdem herrschen im Büro angenehme 21 Grad Celsius, während die Sonne auf die Glasfassade brennt und die Stadt auf 30 Grad aufheizt.
Das Sonnenlicht strahlt gefiltert in die Büros, lediglich vor dem Aufzug leuchten Energiesparlampen. „Die City Central Towers sind gut für Umwelt und Gesundheit“, sagt Ben Yates, General Manager des Investors Aspen Developments, „und gleichzeitig setzen sie neue Maßstäbe für wirtschaftliche Effizienz.“ Der von Bilfinger Berger erstellte City Central Tower ist die größte stein- und glasgewordene Versöhnung von Ökologie und Ökonomie in Adelaide – ausgezeichnet mit begehrten fünf Green Stars für Nachhaltigkeit.
Die Versöhnung von Ökologie und Ökonomie
Das im Jahr 2002 gegründete Green Building Council ist ein staatlich geförderter Zusammenschluss von Bauunternehmen, Architekten, Wissenschaftlern und Behörden. Der neue Verband machte es sich zur Aufgabe, einheitliche Standards zu schaffen, an denen die Nachhaltigkeit von Immobilien gemessen wird. Ein Gebäude, das als best practice gelten kann, bekommt vier Sterne. Besonders vorbildliche Bauwerke werden mit fünf Sternen ausgezeichnet, nur in Ausnahmefällen gibt es sechs Sterne.
Bislang erhielten rund 200 Bürogebäude eine Green Star-Auszeichnung – was nicht zuletzt am vorbildlichen Verhalten der Politik liegt. Seit 2004 mietet der Bundestaat South Australia, der in Adelaides Innenstadt ein Viertel aller Büroflächen nutzt, nur noch Räume in Immobilien mit fünf Sternen an. „Diese Nachfrage können wir durch unsere besondere Expertise und die enge Zusammenarbeit mit kompetenten Architekten, Fachingenieuren und Nachunternehmern bedienen“, sagt Derek Hough, Regionalleiter der australischen Bilfinger Berger-Tochter.
Für das Projekt entwickelte das Unternehmen ein spezielles Recyclingsystem. Eine eigens zu diesem Zweck gebildete Gesellschaft organisierte Sortierung und Abtransport der beim Bau entstehenden Abfälle. So wanderten 87 Prozent der Bauabfälle nicht auf die Halde, sondern wurden wiederverwertet; nur 60 Prozent wären nach Green Star-Kriterien nötig gewesen.
Das auffälligste Merkmal der City Central Towers sind die türkisfarbenen Fassaden aus doppelbeschichtetem Low-E-Glas. Das Kürzel steht für ‚low emissivity‘, was bedeutet, dass die Fenster kaum Hitze, wohl aber Tageslicht ins Innere lassen. Je nach Himmelsrichtung wurde unterschiedliches Glas verwendet: Weniger sonnige Seiten lassen mehr Licht und Wärme herein. Ein großer Teil der Büroflächen wird tagsüber natürlich beleuchtet.
Der Verbrauch von Wasser und Strom sinkt spürbar
Den Energieverbrauch senken daneben vor allem ‚chilled beams‘ – passive Kühldecken: Auf den Dächern kühlen Wärmetauscher Wasser und schicken es durch Fächer von Kühlrippen, die unter den Decken der einzelnen Etagen montiert sind. Ein zweites System leitet Frischluft über die Kühlrippen. Diese Kombination benötigt nur einen Bruchteil der Energie herkömmlicher Klimaanlagen. Je nach Wetter und Belegung des Gebäudes werden Temperatur und Luftfeuchte per Computer reguliert. „Wir werten viele verschiedene Daten aus, so dass wir das Raumklima sehr exakt steuern können“, erklärt Serviceleiter Neville Hall. Der Gebäudemanager von Bilfinger Berger war bereits in die Erarbeitung der ersten Architektenentwürfe einbezogen.
Ausgeklügelt ist auch die Wasserver- und -entsorgung, für die das Green Building Council Bestnoten vergab – ein wichtiger Faktor in einer der niederschlagsärmsten Regionen Australiens. Statt Trinkwasser spült Grauwasser die Toiletten. Durch die Kühlsysteme zirkuliert das Wasser sechs Mal, ehe es zu Abwasser wird. Und die Waschbecken sind mit Sparhähnen ausgestattet. So wurde der tägliche Verbrauch auf nur 16 Liter Wasser pro Person reduziert.
Seit über einem Jahr sind die City Central Towers komplett vermietet, was eine mit Spannung erwartete erste Bilanz erlaubt: „In dieser Zeit wurden pro Quadratmeter 218 Milli-Joule Energie verbraucht, der australische Durchschnitt liegt bei 581“, erklärt Neville Hall. „Wir sind also mit nur 38 Prozent der Energie eines herkömmlichen Bürogebäudes ausgekommen.“
Das vielleicht wichtigste Argument für Green Building liefert aber eine Umfrage unter den Beschäftigten der City Central Towers: Sie fühlen sich in der neuen Umgebung ohne konventionelle Klimaanlagen motivierter und gesünder – zunächst nur eine subjektive Einschätzung. Doch eine wissenschaftliche Studie belegt: Die Produktivität der Mitarbeiter in nachhaltigen Immobilien ist um zehn Prozent höher als in herkömmlichen Gebäuden.

