MUSLIMISCH-JÜDISCHE BEGEGNUNG
Ein jüdischer Lebensmittelladen liegt neben einer muslimischen Fleischerei, in einem Internet-Café sitzen Mädchen mit Hijab und Jungen mit hohen Samthüten. Im Nordwesten Londons wohnt die größte jüdisch-orthodoxe Gemeinde Europas Tür an Tür mit konservativen Moslems, vor allem indischer Herkunft. Jahrzehntelang lebten die beiden Gruppen fast ohne Kontakt nebeneinander her, bis Rabbi Herschel Gluck (im Bild links) das Muslimische Zentrum betrat. „Was denkt ihr eigentlich über uns?“, fragte er die überraschten Anwesenden. Das war der Beginn des Muslimisch-Jüdischen Forums. Regelmäßig tauschen sich nun Juden und Muslime über die Zeitläufe aus und beraten gemeinsame Interessen, etwa die Schaffung von Wohnraum für große Familien. Das Forum sei auch vor dem Hintergrund der Spannungen im Nahen Osten wichtig, betont Rabbi Gluck. „Unsere Gemeinden sollen sehen: Wir reden miteinander.“ Und Munaf Zeena (im Bild rechts), Leiter des Muslimischen Zentrums, ergänzt: „Extremismus entsteht nur dann, wenn Menschen das Gefühl haben, nicht in einen demokratischen Prozess eingebunden zu sein und nichts bewirken zu können. Wir steuern dagegen.“
Text: Bernd Hauser, Foto: Kathrin Harms
Bilfinger Berger Magazin 1/2009
