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Bilfinger BergerKITEC

Kinder entdecken Technik
Wissensfabrik
Die Wissensfabrik engagiert sich bundesweit in Bildungsprojekten sowie für Existenzgründer und Jungunternehmer. Das Ziel ist, den Standort Deutschland zukunftsfähig und die nächste Generation fit für den globalen Wettbewerb zu machen.
Ende 2007 wurden die Mozartschule und ihr Bildungspartner Bilfinger Berger von Bundespräsident Köhler als „Ort im Land der Ideen“ ausgezeichnet – stellvertretend für alle beteiligten Unternehmen der Wissensfabrik.

Kinder entdecken Technik

IM „KITEC“-UNTERRICHT KOMMEN GRUNDSCHÜLER OFT ZUM ERSTEN MAL MIT WERKZEUGEN UND TECHNISCHEN FRAGEN IN KONTAKT

Maik, Viertklässler an der Mozartschule in Mannheim, hat in sein Heft einen Satz geschrieben, der jedem Lehrer das Herz aufgehen lässt:„Warum mussten wir so früh aufhören?“ Maik hat diese Frage in ein besonderes Schulheft geschrieben. „Mein Werkzeug-Führerschein“ steht vorne drauf, im Inneren sind ein gutes Dutzend Werkzeuge abgebildet, dazu gibt es Beschreibungen, wie man richtig nagelt, feilt und sägt, auch Zeichnungen und Fotos, zum Beispiel von Rädern und Holzfahrzeugen und von Handwerkern, die diese Werkzeuge benutzen.„Das ist besser als Mathe“, findet Maik,„da muss ich höchstens mal beim Ausmessen mit dem Metermaß rechnen. Außerdem muss ich nicht die ganze Zeit sitzen und kann mich bewegen.“

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STUNDEN VERGEHEN WIE IM FLUG
Nicht nur Maik ist begeistert vom Unterricht.„KiTec ist das einzige Fach, in dem die Kinder gerne auch zwei Stunden länger bleiben würden“, sagt Rita Malacarne, Maiks Lehrerin. KiTec ist das Kürzel für „Kinder entdecken Technik“ und eines von vier Leuchtturmprojekten der Wirtschaftsinitiative Wissensfabrik, die sich bundesweit in Bildungsprojekten engagiert. Ihr gehören mittlerweile rund 60 deutsche Unternehmen an, die insbesondere Projekte in Kindergärten und Grundschulen fördern, mit denen sie langfristige Partnerschaften eingehen. Eine davon ist die zwischen Bilfinger Berger und der Mannheimer Mozartschule, wo Schüler der dritten und vierten Klasse einen ersten, spielerischen Einblick in die Welt der Technik bekommen.„Unterricht mit den KiTec-Werkzeugkisten macht aus neugierigen Kindern die Techniker und Ingenieure von morgen“, hofft Manfred Schmidt von Bilfinger Berger, der derzeit elf Mannheimer Grundschulen betreut.

HÄMMERN, SÄGEN, FEILEN
An der Tafel hängen mehrere Zettel. Auf ihnen steht, was sich die Schüler mit ihrer Lehrerin Rita Malacarne gerade erarbeitet haben – welche Werkzeuge und welches Material sie brauchen, um eine Stabpuppe zu bauen. Sperrholzplatten und Nägel, Schrauben und Draht, Säge,Vorstecher, Bohrer, Hammer, Zange, Feile, Schraubenzieher. „Können wir jetzt endlich anfangen?“, murrt Jasmina vorwurfsvoll. Dann schwillt der Lärmpegel kontinuierlich an. 25 Kinder hämmern und sägen und feilen so konzentriert, dass viele sogar die Pausenklingel überhören. Tugay sägt Leons hölzernes Rechteck zu einem Quadrat, „beim Sägen bin ich nämlich ganz gut“, sagt Tugay; dafür hilft Leon Tugay später beim Nageln.
Wie geschickt und sicher die Kinder mit dem Werkzeug umgehen, zeigt, dass sie Übung haben. Vor den Stabpuppen bauten die Kinder auch schon kleine Autos mit gummiummantelten Holzrädern, mit und ohne Lenkung, oder mit einem Luftballon, aus dessen Rückstoß das Auto seinen Antrieb erhält. Und vielleicht lässt ja Lehrerin Rita Malacarne noch eine Zugbrücke bauen oder einen Flaschenzug, eine Seilbahn oder einen Morseapparat, so wie sie im neuen Lehrer-Handbuch der Wissensfabrik angeregt werden.

PRÄGENDE ERFAHRUNGEN
Mit diesem Angebot gehört die Klasse zu den Privilegierten unter Deutschlands Grundschülern:Werkunterricht in den ersten Klassen ist nicht vorgesehen; die Grundschulen haben nur den Auftrag, den Kindern Primärerfahrungen zu vermitteln. Doch mangels Material und Werkzeug kommt es dazu bestenfalls mit Hilfsmitteln aus der Bastelkiste: Pappe, Klebstoff und Schere. Dabei ist genau das Gegenteil gefragt: das Lernen in echten Situationen, mit echten Materialien, mit echten Problemen, zum Beispiel dem, wie man Werkstoffe so miteinander verbindet, dass es hält. „An so etwas müssen sich Kinder abarbeiten, dann haben sie positive Lernerfahrungen, die prägen“, sagt Michael Fritz, Geschäftsführer des Transferzentrums für Neurowissenschaften und Lernen (ZNL) in Ulm, das gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Technik und Didaktik der Universität Dortmund die Werkzeug- und Materialkisten sowie das Konzept samt Lehrer-Handbuch entwickelt hat. „In der Welt von Achtbis Zehnjährigen ist es heute sehr selten, dass sie mitWerkzeugen überhaupt noch in Kontakt kommen“,bedauert Fritz. Ein Land, das berühmt ist für den Erfindungsreichtum seiner Ingenieure und die Güte seiner Handwerker, muss das beunruhigen.
Dabei ist die Hoffnung keineswegs herbeigeredet, die frühe Begegnung mit technischen Themen könnte bei Kindern die spätere Berufswahl beeinflussen. „Man weiß heute aus der Neurowissenschaft, der Psychologie und der Pädagogik, dass konkrete Situationen, in denen Kinder experimentieren und entdecken dürfen und dabei Erfolgserlebnisse haben, zum nachhaltigen Anlegen von Spuren im Gehirn führen, die prägend für die Zukunft sind“, sagt Fritz, der gelernter Grundund Hauptschullehrer ist und jahrelang eine Schule leitete.Von vielen erwachsenen Naturwissenschaftlern oder Ingenieuren sei bekannt, dass sie ihre Initialerlebnisse als Kinder hatten – angeregt durch Väter, Nachbarn,Onkel, Lehrer oder Erzieher, die sich mit Technik beschäftigten und dabei Freude empfanden. „Die entscheidenden Einstellungen und Interessen werden im Kindesalter entwickelt“, betont Fritz.

(Text: Stefan Scheytt, Fotos: Eric Vazzoler)