Gebäude können krank machen, schuld sind oft mangelhafte Lüftungs- und Klimaanlagen. Es sei an der Zeit, die Innenluft mit ebenso viel Sorgfalt zu behandeln wie andere Lebensmittel auch, befanden Hygieneexperten und Verfahrensingenieure bei Bilfinger Berger und arbeiten seither eng zusammen.
Als die Forscher Ötzi untersuchten, die Gletschermumie aus der Jungsteinzeit, staunten sie über die Lunge. Sie war schwarz wie die eines Kettenrauchers. Tabak gab es in den Ötztaler Alpen vor 5200 Jahren noch nicht. Die Erklärung für Ötzis schwarze Lunge: Er litt unter einer steinzeitlichen Variante des „Sick Building Syndrome”, zu Deutsch Gebäudekrankheit.
Unter dem „Sick Building Syndrome“ werden Störungen des Wohlbefindens zusammengefasst, die durch Gebäude verursacht werden: Reizungen von Augen, Infektionen von Atemwegen, die Empfindung, dass Schleimhäute und Haut austrocknen, geistige Ermüdung, Kreislaufschwäche, Kopfschmerzen. Die Gründe für die Symptome sind nicht alle erforscht, eines scheint jedoch sicher: dass sie auf mangelnde Lufthygiene zurückgeführt werden können.
Dies war auch Ötzis Problem. Täglich saß er am offenen Kochfeuer seiner Behausung. Der beißende Rauch lagerte sich auf den Lungenbläschen ab. Heute sind die Krankmacher in der Innenluft andere: Schlecht gebaute oder eingestellte Lüftungs- und Klimaanlagen verursachen Zugluft, trockene Raumluft, verbreiten Gerüche, sind zu laut oder mit Pilzen und Bakterien kontaminiert, was zu Allergien und Infektionen führen kann. Sie verursachen so Stress für Körper und Geist.
Gut planen, regelmäßig warten, durchatmen
„Luft ist ein Lebensmittel!“ Michael Sauerwein, Leiter der technischen Gebäudeausrüstung bei Bilfinger Berger Hochbau sagt das mit Nachdruck: „Wir müssen darauf achten, woher wir die Luft beziehen, die wir in Gebäude pumpen, wie wir sie transportieren und wie wir sie sauber halten.“ Dabei sei Prophylaxe der beste Schutz beim Bau von Lüftungs- und Klimaanlagen. „Deshalb tauschen wir uns schon bei der Konzeption einer Anlage mit unseren Kollegen von den Facility Services aus.“
In der Sparte Facility Services hat Bilfinger Berger alle Dienstleistungsunternehmen im Immobiliensektor gebündelt, darunter HSG Technischer Service. Hier findet Sauerwein seine Ansprechpartner für Umwelt- und Hygienetechnik: „Sie erklären uns genau, worauf wir bei der Planung und Errichtung einer Lüftungs- oder Klimaanlage besonders achten müssen, damit sie später kostengünstig gewartet und in einem hygienisch einwandfreien Zustand gehalten werden kann.“
„Was man beim Bau versäumt, holt einen im Betrieb wieder ein“, bestätigt Holger Pitzer, der bei HSG für den Bereich Lufthygiene zuständig ist. „Wenn Sie ein Gebäude so planen, dass Sie später an die Lüftungsrohre kaum herankommen, wie soll man die Anlage dann richtig warten können?“ Es gäbe viele, manchmal ganz einfache Möglichkeiten, eine gesunde Raumluft sicherzustellen, sagt Pitzer, man müsse sie nur nutzen. Im Mannheimer Megaron, einem modernen Bürogebäude mit etwa 800 Arbeitsplätzen, von Bilfinger Berger gebaut und nun betrieben, entschieden sich Bau- und Facility-Management-Fachleute gemeinsam für neun kleinere auf dem Dach verteilte Lüftungsanlagen statt einer zentralen Anlage. Kräftige 15-Kilowatt-Motoren treiben die Ventilatoren an und blasen pro Stunde 15 000 Kubikmeter Frischluft in das Gebäude. „Eine zentrale Anlage hätte wesentlich längere Luftkanäle. Nun haben wir kurze Wege, die optimal inspiziert und gereinigt werden können“, erklärt Michael Sauerwein. Die Gefahr, dass sich zum Beispiel an Dichtungen mikrobielle Beläge bildeten, sei erheblich geringer. „Außerdem stehen die Anlagen auf dem Dach“, ergänzt Holger Pitzer. „Sie sind für den Haustechniker leicht zugänglich und die angesaugte Luft ist weniger von Verkehrsabgasen belastet.“ Und die kurzen Kanalwege rechnen sich bei den Stromkosten, da die Ventilatoren einen geringeren Widerstand überwinden müssen.
Der Mief bleibt draußen
Zweimal im Jahr erneuert Megaron-Haustechniker Manfred Hotz die Filter. Er tauscht die Vliese aus, zieht Schrauben nach, reinigt die Rahmen. Mehrere Wochen dauert es, bis er die neun Anlagen komplett gewartet hat. Holger Pitzer oder einer seiner Inspektoren kontrollieren in allen von Bilfinger Berger betreuten Häusern regelmäßig den technischen Zustand der Anlagen und insbesondere die Anzahl der Luftkeime. „Die Innenluft darf nicht mehr belastet sein als die Außenluft“, sagt Pitzer. Der gängige Fall ist, dass die gefilterte Luft in den Häusern deutlich sauberer ist als in der Umgebung. Draußen vor dem Haupteingang des Megaron stehen drei Frauen und rauchen ihre Zigaretten, ziehen den Rauch tief in die Lungen. Nach ihrer Zigarettenpause gehen sie zurück an die frische Luft.
(Text: Bernd Hauser, Fotos: Christoph Püschner)


