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Der Kraftstrom

VOR ÜBER 100 JAHREN ENTSTANDEN AM HOCHRHEIN DIE ERSTEN GROSSEN WASSERKRAFTWERKE.

Bei der Erzeugung elektrischen Stroms spielte die Wasserkraft von Anfang an eine Schlüsselrolle. 1866 entdeckte Werner von Siemens das elektrodynamische Prinzip und machte damit den Weg frei zur Konstruktion brauchbarer Generatoren. Gleichzeitig wurden die traditionellen Wasserräder durch leistungsfähigere Turbinen ersetzt.
Zunächst wurde die elektrische Energie meist in unmittelbarer Nähe der Verbraucher erzeugt, da bei der Übertragung über größere Entfernungen hohe Leitungsverluste auftraten. 1891 gelang Oskar von Miller die erste Fernübertragung von hochgespanntem Drehstrom von einem Wasserkraftwerk in Lauffen am Neckar nach Frankfurt am Main. Damit waren die Weichen für den Aufbau großer Kraftwerkskapazitäten und flächendeckender Versorgungsnetze gestellt.
Während in den westdeutschen Industriezentren überwiegend Kohlekraftwerke errichtet wurden, stand in den süddeutschen Ländern die Nutzung der Wasserkraft im Vordergrund.Vor allem der Hochrhein zwischen Schaffhausen und Basel bot ideale Bedingungen zum Bau großer Wasserkraftwerke. Auf einer Länge von rund 140 Kilometern weist der Rhein dort ein Gefälle von 145 Metern auf, wobei der Bodensee als natürliches Reservoir dient und für eine gleichmäßige Wasserführung sorgt.
1895 begann ein Konsortium unter Führung der AEG bei Rheinfelden mit dem Bau des ersten Kraftwerks, es ging 1898 mit 20 Turbinensätzen und rund zehn Megawatt Leistung in Betrieb. In der Region um Rheinfelden siedelten sich in der Folgezeit zahlreiche Betriebe mit großem Energiebedarf an, vor allem Unternehmen der Elektrochemie. Sie erzeugten Aluminium und chemische Grundstoffe wie Chlor, Stickstoffdünger oder das Bleichmittel Natriumperborat, das unter dem Markennamen „Persil“ seinen Siegeszug durch die deutschen Waschküchen antrat.
In einem Zeitraum von 70 Jahren entstanden am Hochrhein insgesamt elf Wasserkraftwerke. Sie wurden überwiegend durch Arbeitsgemeinschaften von deutschen und Schweizer Unternehmen errichtet, dazu zählten neben den namhaften Produzenten von Turbinen und Generatoren auch leistungsfähige Bauunternehmen.
Gründung und Bau der Wehranlagen und Krafthäuser sowie die notwendigen Wasserbaumaßnahmen erforderten hohe technische Kompetenz, vor allem im Spezialtiefbau. Die Grün & Bilfinger AG war als eines der führenden Unternehmen auf diesem Gebiet an mehreren Kraftwerken beteiligt. In den Jahren 1909 bis 1914 errichtete Grün & Bilfinger das Krafthaus in Laufenburg und führte umfangreiche Arbeiten zur Korrektion des Flussbetts oberhalb des Kraftwerks durch. Es folgten Ryburg-Schwörstadt (1927 – 1931) – bis heute die größte Wasserkraftanlage am Hochrhein – und Reckingen (1938 – 1941). Nach dem Zweiten Weltkrieg erhielt Grün & Bilfinger Aufträge zum Bau der Kraftwerke Birsfelden (1950 – 1954) und Säckingen (1961 – 1966).
Ursprünglich sollte am Hochrhein bei Koblenz-Kadelburg noch ein weiteres Kraftwerk entstehen. Die Bauarbeiten wurden jedoch 1966 eingestellt, da der Neubau einer Wasserkraftanlage aus damaliger Sicht als unrentabel galt. Vor dem Hintergrund der aktuellen klima- und energiepolitischen Debatte gewinnt die Wasserkraft wieder an Bedeutung. Auch das älteste Kraftwerk in Rheinfelden wird zurzeit durch einen Neubau mit 100 Megawatt Leistung ersetzt, der ab 2011 Strom produzieren soll.

(Martin Krauss / Text)