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Boom beim Flüssiggas
Boom beim Flüssiggas
Snohvit: Das nördlichste LNG-Projekt der Welt

Boom beim Flüssiggas

FLÜSSIGERDGAS (LNG) STEHT VOR EINEM GEWALTIGEN AUFSCHWUNG, AUCH WEIL ES WENIGER ZUR KLIMAERWÄRMUNG BEITRÄGT ALS ANDERE FOSSILE BRENNSTOFFE. BILFINGER BERGER IST AN GROSSEN LNG-PROJEKTEN BETEILIGT.

Erdgas hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten zum wichtigsten Energieträger nach Erdöl entwickelt. Knapp ein Viertel des weltweiten Energiebedarfs wird durch Erdgas gedeckt, in Europa ist es sogar ein Drittel. Noch wird fast die Hälfte des in der EU benötigten Erdgases über Pipelines importiert, vor allem aus Russland. Künftig wollen die Europäer aber zunehmend auf Flüssigerdgas setzen, Liquefied Natural Gas (LNG), das von Tankschiffen aus Algerien,Westafrika, dem Mittleren Osten sowie Trinidad und Tobago angeliefert wird, ab Herbst 2007 auch aus Norwegen.
Bislang wurde LNG insbesondere von Staaten genutzt, die schlecht über Pipelines angebunden sind. Japan etwa importiert rund 45 Prozent des weltweiten LNG-Angebots. Dass nun auch Europa zunehmend Interesse an Flüssiggas findet, hat mehrere Gründe. Die CO2-Emissionen müssen schnell und nachhaltig gesenkt werden, und im Vergleich zu Erdöl ist die Verbrennung von Erdgas erheblich klimafreundlicher. Die einseitige Abhängigkeit von russischen Lieferungen wird bei weiter steigendem Erdgasbedarf zunehmend als riskant eingeschätzt. Außerdem haben neue Technologien die Kosten für LNG in den vergangenen Jahren erheblich reduziert, was Flüssiggas selbst für Länder interessant macht, die ebenso gut per Pipeline versorgt werden könnten.

NIGERIA BAUT LNG-PRODUKTION AUS
Im LNG-Exportland Nigeria war Bilfinger Berger über sein Beteiligungsunternehmen Julius Berger Nigeria PLC schon vor über zehn Jahren am Bau der ersten nigerianischen Gasverflüssigungsanlage beteiligt. Auf Bonny Island im Nigerdelta wird das Erdgas in einem mehrstufigen Prozess auf minus 163 Grad Celsius gekühlt, bis es sich verflüssigt. So verringert sich das Volumen auf etwa ein Sechshundertstel, und das Flüssiggas kann in speziellen Tankschiffen transportiert werden. Nigeria verfügt über die siebtgrößten Erdgasreserven der Welt, doch die Absatzmärkte in Europa und den USA sind so weit entfernt, dass sie nicht über Pipelines, sondern nur mit LNG auf dem Seeweg bedient werden können. Flüssiggas ist damit ein besonders wichtiger Zukunftsmarkt. Zwölf Milliarden US-Dollar wurden in den vergangenen Jahren in den Sektor investiert – nur in Katar waren die Investitionen höher. Die Produktionskapazitäten auf Bonny Island werden ständig erweitert, Ende 2007 geht die sechste Prozessanlage in Betrieb. Zwei weitere große LNG-Anlagen an der nigerianischen Küste sind in Planung, an beiden hofft Bilfinger Berger beteiligt zu sein.

EUROPA SETZT AUF IMPORT
In Nigeria übernimmt Bilfinger Berger die komplizierten Infrastrukturarbeiten für LNG-Anlagen. In Europa stehen Service- und Instandhaltungsleistungen für den LNG-Sektor im Fokus, etwa in Norwegen, wo 16 Prozent des Bruttosozialprodukts in der Öl- und Gasindustrie erwirtschaftet werden. Nun steigt das Land auch in das LNG-Geschäft ein und hat bei Hammerfest, in der Nähe des Erdgasfelds Snohvit, die erste Gasverflüssigungsanlage Europas gebaut.Von dort aus sollen jährlich sechs Milliarden Kubikmeter LNG in alle Welt verschifft werden. Die Anlage ist die erste, die das im Erdgas enthaltene CO2 nicht freisetzt, sondern komprimiert und wieder in die Lagerstätten zurückpumpt. Für Isolierung,Korrosionsschutz und eine Reihe von Wartungsaufgaben ist Bilfinger Berger Industrial Services zuständig, zunächst bis Ende 2010.
In einem guten Dutzend Häfen entlang der europäischen Küste sind in den letzten Jahren Importterminals entstanden, in denen das in den Ausgangsländern für den Transport verflüssigte Erdgas wieder in seinen ursprünglichen Aggregatzustand versetzt und in Pipelines eingespeist wird. Solche „Regas Terminals“ hat Bilfinger Berger Industrial Services in Portugal, Spanien und Frankreich mit aufgebaut. An der französischen Mittelmeerküste bei Marseille entsteht derzeit eine Anlage, bei der Bilfinger Berger die Tiefkälteisolierung des kompletten Rohrleitungssystems übernommen hat, eine technisch aufwändige Leistung, denn die Isolierung setzt sich aus mehreren Einzelschichten zusammen. Von den Entladekränen fließt das LNG durch diese Pipelines in Speichertanks. Dort können aufgrund des geringen Volumens von Flüssiggas große Mengen gelagert werden – auch als Puffer für Energieengpässe. Bei Bedarf wird LNG erwärmt und in Erdgas rückverwandelt.

DER WEG AUS DER ENERGIEKRISE
Bis 2030 müssen 20 Billionen Dollar investiert werden,um die Energieversorgung der Welt zu sichern, prognostiziert die Internationale Energie-Agentur (IEA).Wenn gleichzeitig die Erderwärmung gestoppt werden soll, wird dies nur mit Ressourcen möglich sein, die erheblich weniger CO2 emittieren als Öl und Kohle. Erdgas übernimmt dabei eine wichtige Rolle, denn solange die Welt ihren Energiehunger nicht drosselt, wird sie nicht ohne fossile Brennstoffe auskommen. Gemessen am heutigen Bedarf haben die Jahrmillionen alten Erdgasvorräte allerdings nur eine Reichweite von rund 60 Jahren – dann wird Mutter Erde erschöpft sein.

(Daniela Simpson / Text)